Hanselfingerhut-Spiel

27.03.2022


Forst an der Weinstrasse · Pfalz


Kampf des Sommers mit dem Winter

Forst an der Deutsche Weinstraße hat sein eigenes Sommertagsspiel, das unter dem Namen "Hanselfingerhut" weit über die Grenzen bekannt ist und alljährlich am Sonntag Lätare (4. Sonntag nach Aschermittwoch) ab 14.00 Uhr aufgeführt wird.

Dieses Sommertagsspiel ist schon weit über 200 Jahre alt. Geschichtliche Aufzeichnungen in den Gemeinderechnungen führen bis 1721 zurück. Es ist ein dramatisches Spiel, das einst einmal vor ca. drei Jahrhunderten durch Neubürger, Zuwanderer aus Oberdeutschland und der Schweiz zu uns getragen wurde und sich mit dem hier bodenständigen Sommertagsbrauch  verband. Am lebendigsten und bekanntesten ist das Spiel in dem Weinort Forst. Obwohl es rein äußerlich kein besonderes Kunstwerk darstellt, so liegt in ihm doch ein tieferer Sinn. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Volksspiel, gewürzt mit Humor und Originalität. Dem Spiel liegt die altgermanische Vorstellung des Kampfes zwischen Winter und Sommer zu Grunde.

Dieses Sommertagsspiel gliedert sich in vier Auftritte und umfasst sechs Rollen. Die Dorfstraße ist die Bühne. Der erste Auftritt bildet einen Kampf zwischen Sommer und Winter. Beide Darsteller stecken in einem kegelförmigen Häuschen, das aus Latten und Stangen hergestellt ist. Das Häuschen des Winters ist mit Stroh verkleidet und mit einem Strohkreuz gekrönt, während das Häuschen des Sommers mit Efeu bedeckt und an der Spitze mit einem blau-weißen Fähnchen geziert ist. In Kopfhöhe befindet sich an den beiden Häuschen eine kleine Öffnung, ein Guckloch. Beide Streiter sind mit Holzsäbeln ausgerüstet und befinden sich in den Häuschen, die sie durch die Dorfstraße tragen. Nach längerer Wechselrede, in der beide ihre Vorzüge hervorheben, kommt es schließlich zum Kampf, in dem der Sommer als Sieger hervorgeht.

Im zweiten Auftritt ist Henrich-Fähnrich zu sehen, der an einen Fähnrich der einstigen Landsknechte erinnert. In seiner Hand liegt die richterliche Gewalt und er entscheidet den Streit zwischen Sommer und Winter.

Im dritten Aufzug kommt die Hauptperson des Sommertagsspiels, der Hanselfingerhut ins Spiel. Sein Kleid ist zerlumpt und sein Gesicht mit Öl und Ruß beschmiert. In der Hand hält er einen mit Ruß gefüllten Ballen. Er stellt in seinem Aussehen den Typ eines Vagabunden dar, der sein Hab und Gut durchgebracht hat. Dennoch ist er stets zu tollen Streichen aufgelegt. Er neckt ganz besonders gerne junge, hübsche Mädchen und drückt ihnen mit einem Kuss sein schwarzes Brandmal ins Gesicht.

Im vierten Auftritt sind der Hanselfingerhut, inzwischen sehr ermüdet, von der Scherer (Barbier) rasiert und zur Ader gelassen um ihm Erleichterung zu verschaffen. Doch die Kur ist zu stark und Hanselfingerhut sinkt ohnmächtig zu Boden. Alle Umstehenden beklagen ihn und Henrich-Fähnrich kitzelt ihn mit seinem Degen etwas in den Rippen. Hanselfingerhut erwacht wieder und die Nudelgret eilt herbei, um ihn mit frischen Brezeln zu stärken. Nun sind alle wieder einig und können sich in den Dienst von Sommer und Winter stellen. So ziehen alle weiter und führen das Sommertagsspiel an anderer Stelle im Ort erneut auf.

Info

Tourist-Information
Bahnhofstr. 5
67146 Deidesheim

Web: http://www.deidesheim.de
E-Mail: touristinfo@deidesheim.de
Tel.: (0049) 6326 96770
Fax: (0049) 6326 967718

Veranstaltungsort

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67146 Deidesheim

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