17.02.2021

500 Jahre Reichstag in Worms

Martin Luther verweigert den Widerruf seiner Lehren


(rpt) Mit der Verbreitung der von Martin Luther 1517 verfassten 95 Thesen zur Reformation der katholischen Kirche war die Unfehlbarkeit des Papstes unübersehbar in Frage gestellt. Papst Leo X. hatte den Kirchenbann über den Mönch und Theologieprofessor der Universität zu Wittenberg verhängt. Der Kaiser hatte – so war es üblich – mit der Reichsacht zu reagieren und Luthers Schriften zu verbieten. Doch die deutschen Fürsten rangen Karl V. eine Anhörung Luthers bei freiem Geleit ab.

Kaiser, Kurfürst und der Reformator

Am 2. April 1521 beginnt Luthers Reise nach Worms. Unterwegs wird der Reformator umjubelt und predigt in Erfurt, Gotha, Eisenach und auch nach seiner Ankunft am 16. April in Worms. Der erst 21 Jahre alte Kaiser gibt Luther an zwei Tagen Gelegenheit zum Widerruf, den Luther standhaft verweigert. Die Reichsacht wird verhängt, gilt allerdings nicht für das Kurfürstentum Sachsen. Obwohl der Kaiser 21 Tage freies Geleit zusichert, geht der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise auf Nummer Sicher und sorgt mit einem vorgetäuschten Überfall dafür, dass Luther auf der Wartburg bei Eisenach in Sicherheit gebracht wird.

Der Luther-Moment wird live aus Worms übertragen

2021 jährt sich dieses Ereignis zum 500. Mal. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche plant die Stadt Worms daher ein vielfältiges Jubiläumsprogramm. Am 17. April 2021 werden die Feierlichkeiten in der Stadt Worms mit einem Festakt eröffnet, der im Internet übertragen wird. Danach kann die Nacht vor dem Auftritt Luthers in Worms noch einmal hautnah mit allen Zweifeln und Ängsten miterlebt werden: Das geht auch in der Corona-Pandemie. Der SWR überträgt die Multimedia-Inszenierung „Der Luther-Moment“ live am 17. April um 23 Uhr aus Worms. Dabei wird die Dreifaltigkeitskirche in der Innenstadt zur größten Leinwand Europas. Zum Abschluss des Auftaktwochenendes überträgt am Sonntag, 18. April, das ZDF den Festgottesdienst zum Jubiläum ab 9.30 Uhr aus der Wormser Magnuskirche.

Ausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“

Auch die Nibelungen-Festspiele Worms widmen sich in diesem Jahr vom 16. Juli bis 1. August 2021 dem Thema Luther. Am Originalschauplatz vor dem Wormser Dom wird der Fall „Luther“ als hochspannende Staatsaffäre zwischen Machtintrige und Religionskampf erzählt.

Die Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ im Museum der Stadt Worms im Andreasstift nimmt vom 3. Juli bis zum 30. Dezember 2021 das Jubiläum zum Anlass, die Entwicklungsgeschichte der Gewissensfreiheit und des Protests bis in die Gegenwart aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen.

Wer Luther und das Reichstagsjubiläum in Worms erleben möchte, kann dies das ganze Jahr über individuell und weitestgehend unabhängig von der Corona-Pandemie tun: Zum Beispiel mit Outdoor-Angeboten wie dem Bildungs- und Erlebnisparcours, dem Lutherrundgang oder dem spirituellen Wandern auf dem Lutherweg 1521. Letzterer führt von der Wartburg in Eisenach bis nach Worms. Zu dem Lutherrundgang wird es außerdem ab dem Frühjahr 2021 eine App geben, in der eine eigens dafür entworfene Lutherfigur den gesamten Aufenthalt im April 1521 in historischen Szenen erlebt.

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