Pioniere ihrer Zeit - Historisches Handwerk in Rheinland-Pfalz

Pressedienst vom 07. Dezember 2022

Ob Schreiner, Töpfer oder Buchdrucker: In Rheinland-Pfalz gab es viele Handwerker, die ihre Kunst vorangetrieben haben und weltbekannt wurden. Davon erzählen Museen, wie zum Beispiel das Gutenberg-Museum in Mainz, das Roentgen-Museum in Neuwied, das Museum in der Kurfürstlichen Burg in Boppard mit seiner Ausstellung über Michael Thonet und das Keramik-Museum in Höhr-Grenzhausen.


07.12.2022

Der gute Ton aus dem Westerwald

Das Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen widmet sich dem uralten Handwerk

Die Scheibe dreht sich immer weiter -  es ist faszinierend zu beobachten, wie der Töpfer in kurzer Zeit mit ruhigen Händen aus einem unförmigen Klumpen eine filigrane Schale formt. Im Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen im Westerwald können Besucher den Handwerkern über die Schulter schauen und eine Reise von der Entstehung des Tons bis zur zeitgenössischen Keramik unternehmen.

Aus dem „Kannenbäckerland“ in alle Welt

Die Grundlage für das Handwerk lieferten die ausgedehnten Tonvorkommen in der Region. Sie bilden die größte zusammenhängende Lagerstätte Europas und haben auch eine hohe Qualität. Der feine und elastische Ton eignet sich gut fürs Töpfern. Gleichzeitig gab es im Westerwald genug Holz für die Brennöfen, sodass sich das Handwerk hier entfalten konnte – und zwar seit der Zeit der Kelten, wie archäologische Funde belegen. 

Die Region wurde deshalb auch als „Kannenbäckerland“ bekannt. Ein Holzwagen im Museum veranschaulicht, wie die zerbrechliche Ware einst in die Welt transportiert wurde: Die Nähe zum Rhein, einer der Hauptverkehrsadern Europas, und durchziehende Fernhandelswege wie die Salzstraße förderten  die Erfolgsgeschichte des Westerwälder Steinzeugs.  

Selbst Töpfern in der Museumswerkstatt

Von den römischen Tongefäßen über die für den Westerwald typischen blau-grauen Erzeugnisse bis hin zu modernen Kunstobjekten sind zahlreiche Beispiele des Handwerks zu sehen. Besucher lernen auch den Unterschied zwischen Porzellan, Terrakotta, Steingut und anderen Keramikarten kennen und können sich in der Werkstatt des Museums sogar selbst am Töpfern versuchen. 

Das Keramikmuseum Westerwald ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Noch bis zum 23. Dezember bieten dort außerdem die Werkstätten aus Höhr-Grenzhausen beim Adventsmarkt ihre Töpferwaren an. In dieser Zeit gilt auch ein ermäßigter Eintrittspreis für Besucher. 

Weitere Informationen unter www.rlp-tourismus.de/westerwald und www.rlp-tourismus.com/de/infosystem/Keramikmuseum-Westerwald_Hoehr-Grenzhausen 


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07.12.2022

Geschwungene Holzstühle für alle Welt

Michael Thonets Geburtsstadt Boppard zeigt Werke des berühmten Möbelherstellers

 

Viele Menschen haben schon einmal auf einem von Michael Thonet entworfenen Möbelstück gesessen, auch wenn ihnen das oft vielleicht gar nicht bewusst gewesen sein mag. Die Stühle des 1796 in Boppard am Rhein geborenen Tischlers sind weltweit verbreitet. Der Möbelhersteller hat Designgeschichte geschrieben und seine Geburtsstadt widmet ihm eine umfangreiche Ausstellung im Museum in der Kurfürstlichen Burg.

Der Tischler experimentierte mit verschiedenen Techniken

Stühle mit Sitzgeflecht, Schaukelstühle und andere Möbel aus gebogenem Holz erzählen dort von der Erfolgsgeschichte des von Ehrgeiz und großem Erfindergeist getriebenen Mannes. In der Tischlerei, die Michael Thonet 1819 in Boppard von seinem Vater übernommen hatte, experimentierte er schon früh mit Techniken, die außerhalb seines Handwerks lagen. Er kochte Furnierstreifen in Leim, bog sie anschließend mit Biegeformen und fertigte daraus Möbel. Das Ergebnis begeisterte auch den österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich. Er lud ihn nach Wien ein, wo Michael Thonet  ab 1842 auch arbeitete. 

Kaffeehausstuhl machte ihn berühmt

Großen Erfolg hatte Thonet mit seinem Stuhl Nr. 1, den er 1849 entworfen hat: Ein einziges Bugholzelement bildet die Hinterbeine und den Rückenbogen. Außerdem hat er eine weitere Holzschlaufe in den Rücken eingesetzt. Dieses elegante Modell lieferte er an den Fürsten von Schwarzenberg, der damit sein barockes Gartenpalais in Wien ausstattete. 

Etwa zur selben Zeit entwickelt Michael Thonet das Modell Nr. 4 für das Café Daum am Kohlmarkt, der später als Wiener Kaffeehausstuhl bekannt wurde. Fortan gehörten auch gewerbliche Großabnehmer zu seinen Kunden und als es ihm 1856 gelang, massive Hölzer mittels Wasserdampf zu biegen, konnten seine Stühle mit Hilfe dieser sogenannten Bugholzproduktion nahezu industriell gefertigt und vor allem platzsparend verpackt werden. So gelangten schon früh die Produkte des am Rhein geborenen Tischlers in die Vereinigen Staaten und weitere Länder der Welt.

Das Museum in Boppard zeigt in seiner Thonet-Ausstellung diese Erfolgsgeschichte. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, vom 24. Dezember bis zum 6. Januar 2023 ist das Museum geschlossen. Führungen kann man über die Tourist Information Boppard buchen, Telefon 06742/3888.

Weitere Informationen unter www.rlp-tourismus.de/romantischer-rhein und www.rlp-tourismus.com/de/infosystem/infosystem/Tourist-Information-Boppard


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07.12.2022

Medienrevolution aus Mainz

Im Gutenberg-Museum in Mainz dreht sich alles um die bahnbrechende Erfindung

Seine Handwerkskunst hat die Welt verändert: Johannes Gutenberg entwickelte Mitte des 15. Jahrhunderts den „Buchdruck mit beweglichen Lettern“. Der berühmte Mainzer wird deshalb auch „Man of the Millennium“ genannt. Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz hat ihm ein eigenes Gutenberg-Museum gewidmet, in dem Besucher vieles über seine revolutionäre Erfindung und ihre Auswirkungen erfahren können. 

In der Werkstatt des Meisters

Eine rekonstruierte Werkstatt des Meisters ist dort zum Beispiel zu sehen. Besucher erfahren, welche Erfindungen Gutenbergs das Handwerk der „Schwarzen Kunst“ prägten und eine maschinelle Produktion möglich machten. Seine Neuerungen erstreckten sich nämlich auf alle notwendigen Schritte für den Druck von Texten. So entwickelte er unter anderem den Setzkasten, die Druckerpresse und eine verbesserte Druckfarbe.

Vier Jahrtausende Schriftkunst erleben

Dank seines Verfahrens konnten Bücher und Texte schneller, billiger und in größeren Mengen hergestellt werden als je zuvor. Druckerzeugnisse gehörten bald zum Alltag und ersetzten handschriftliche Werke. Gutenbergs Verfahren löste eine regelrechte Medienrevolution aus, die Ideen des Humanismus und der Reformation konnten sich weit verbreiten. Auch über diese Zusammenhänge informiert das Museum, in dem Besucher einen Spaziergang durch vier Jahrtausende Buch-, Druck- und Schriftkunst unternehmen können. Die Geschichte reicht von der Keilschrift zur modernen Typografie, von der Handschrift zum Pressendruck. 

Selbst Holzlettern setzen

Das Grundprinzip seines Handsatzes begreift jeder, der einmal selbst die Holzlettern gesetzt hat. In der Werkstatt im Druckladen des Museums, wo es nach Farbe, Terpentin und Öl riecht, ist das möglich. Besucher können dort außerdem an Handabzugspressen und an einer Kniehebelpresse selbst mehrfarbig drucken. Ein Erlebnis, das auch Kinder und Schulklassen beeindruckt. 

Das „Weltmuseum der Druckkunst“ in Mainz ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Auch am 26. Dezember ist ein Besuch möglich, während es an den übrigen Feiertagen und an Heiligabend geschlossen ist. Für den Besuch des Druckladens, der von Montag bis Samstag möglich ist, ist eine Anmeldung erforderlich.  

Weitere Informationen unter www.rlp-tourismus.de/rheinhessen und www.rlp-tourismus.com/de/infosystem/Gutenberg-Museum-Mainz


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07.12.2022

Meisterhafte Möbel für den Zarenhof

Zu Besuch im Roentgenmuseum in Neuwied am Rhein

Für den Zarenhof durfte es schon etwas Edles sein: eine meisterhaft gefertigte Standuhr mit einem Giebel, der wie ein antiker Tempel aussieht. „Apollouhr“ heißt das Schmuckstück, das heute im Roentgenmuseum in Neuwied zu sehen ist. Das Museum hat dabei nichts mit dem Physiker Röntgen und den nach ihm benannten Strahlen zu tun, sondern geht auf die Kunstschreiner Abraham und David Roentgen zurück, von denen auch die Apollouhr stammt. Im Inneren des klassizistischen Holzgehäuses steckt ein Spielwerk mit Saiten und Flöten, für das Komponisten zu damaliger Zeit sogar eigene kleine Musikstücke geschrieben haben. David Roentgen hat das Modell gemeinsam mit dem Neuwieder Uhrmacher Peter Kinzing gebaut und nach St. Petersburg geliefert. 

Kunden von Paris bis St. Petersburg

Es war beileibe nicht das einzige Werk, das von ihrer Werkstatt am Rhein zu einem der Adelshäuser Europas reiste. Abraham Roentgen und sein Sohn David, die 1750 eine Werkstatt im Herrenhuter Viertel in Neuwied bezogen hatten, gehörten zu den bedeutendsten Möbelkünstlern des 18. Jahrhunderts. Mit ihren luxuriösen und zugleich modernen Erzeugnissen, den „Neuwieder Möbeln“, belieferten sie Adelige von Paris bis St. Petersburg. Zu ihren Kunden zählten die russische Zarin Katharina II. und die Könige Ludwig XVI. von Frankreich und Friedrich Wilhelm II. von Preußen.

Verwandlungstisch mit technischen Raffinessen

Im Museum in Neuwied mit seiner weltweit einmaligen Sammlung von Roentgen-Möbeln und Kinzing-Uhren kann man in die glamouröse Möbelwelt eintauchen. In stilvollen Räumen zeigt es Sekretäre, Kommoden, Stühle und Schatullen. Vieles ist mit kostbaren Einlegearbeiten und vergoldetem Bronzedekor versehen. Besucher können auch über technische Raffinessen staunen, wie die Verwandlungstische, die der Museumsdirektor vor den Augen der Besucher mit vorsichtigen, aber wenigen Handgriffen zu größeren Tischen oder gar zum Sekretär mit einem Aufsatz voll kleiner Fächer umbauen kann.

Das Roentgenmuseum in Neuwied, das diese besondere Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts in einer Dauerausstellung aufleben lässt, ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen geöffnet.  

Weitere Informationen unter www.rlp-tourismus.de/romantischer-rhein und www.rlp-tourismus.com/de/infosystem/iRoentgen-Museum-Neuwied


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